Paul Matthaei

Paul Matthaei, 1851 bis 1923, war Kommerzienrat und Miteigentümer der Engelhard-Reyherschen Hofbuchdruckerei.

Der Verlagsbuchhändler Kommerzienrat Paul Matthaei sowie sein Sohn Alexander Matthaei waren die letzten Eigentümer der Engelhard-Reyherschen Hofbuchdruckerei, der einst ältesten Druckerei Gothas. Als Herzog Ernst der Fromme 1640 den Gothaer Landesteil als selbständiges Fürstentum erhalten hatte, war eine seiner ersten Maßnahmen zur Förderung der Verwaltung und Wissenschaft, dass er am 31. Dezember 1640 mit dem Buchdrucker Peter Schmid aus Schleusingen einen Vertrag abschloß, in dem sich dieser verpflichtete, alle Patente, Passzettel, Mandate und Befehle des Herzogs, auch Bücher und andere Schulsachen zu drucken. Dies ist die Geburtsstunde der ersten und auf zwei Jahrhunderte hinaus einzigen Druckerei in Gotha, der späteren Engelhard-Reyherschen Hofbuchdruckerei. Da Peter Schmid angeblich wegen seines Lebenswandels entlassen wurde, übergab der Herzog die Druckerei 1644 seinem getreuen Rektor des Gymnasiums, dem Magister Andreas Reyher. Dieser verlegte die Druckerei 1646 in das nach dem damaligen Brande neu errichtete Gebäude in der Erfurter Gasse Nr. 14 (ehemals Kaffee Leidel). Dort hatte erst die Reyhersche und später die Engelhard-Reyhersche Druckerei für gut 250 Jahre ihr Domizil. Mehrere Generationen der Reyherschen Nachkommen führten das Unternehmen nicht zuletzt auf grund der Monopolstellung, die es in Gotha bis zum Jahr 1847 genoß, erfolgreich fort. 1808 tritt Georg Engelhard, der eine Reyersche Tochter geheiratet hatte, an die Spitze der Druckerei und bekommt 1823 das Recht zugesprochen, seinen Namen dem Vorbesitzer vorzusetzen. Sein Sohn Karl sowie sein Enkelsohn Friedrich Engelhard führten die Druckerei erfolgreich bis 1883 weiter. Da der alternde Friedrich Engelhard selbst keine Nachkommen hatte, verkaufte er 1884 die Anstalt an den Verlagsbuchhändler und späteren Kommerzienrat Paul Matthaei. Hiermit ging die Hofbuchdruckerei endgültig aus dem Besitz der Nachkommen des Rektors Reyher auf ein neues Geschlecht, die Familie Paul Matthaei, über. Dieser begann seine Tätigkeit mit einer gründlichen Erweiterung des Betriebes und einer Erneuerung der technischen Einrichtungen. Seine wichtigsten Auftraggeber, „die Gothaer Versicherungen und die aufblühende Industrie Gothas“, stellten immer größere Anforderungen an Güte und Schnelligkeit der Arbeit. Der Bedarf für den eigenen Verlag wuchs und die zahlreichen Schulbücher, besonders das dreiteilige Schullesebuch, verlangten immer größere Auflagen. Da durch die zunehmende Zahl von Aufträgen das alte, seit 1646 genutzte in der Erfurter Straße nicht mehr ausreichte, entschloß sich der neue Besitzer 1904 zu einer Verlegung der Druckerei in einen modernen Neubau zwischen Siebleber Straße und Siebleber Wall. Nach dem Tode des Vaters am 5. Mai 1923 übernahm sein Sohn, der Verlagsbuchhändler Alexander Matthaei, die alleinige Leitung der Anstalt. Diese bestand bis in die Nachkriegszeit und wurde schließlich verstaatlicht. Als volkseigene Druckerei „August Bebel“ bestand sie bis zum Ende der DDR in der Siebleber Straße 24.

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