Otto Böhm

Otto Böhm, 1870 bis 1928, war Kaufmann und Gründer der gleichnamigen ehemaligen Lebensmittelhandlung in Gotha.

Der Kaufmann Otto Böhm ist der Gründer der gleichnamigen ehemaligen Lebensmittelhandlung in der Gothaer Markstraße 11. Mit nur 23 Jahren übernahm er die Schäfersche Kolonialwarenhandlung in der Schwabhäuser Straße und legte damit 1893 den Grundstein für das Familienunternehmen. Emsiger Fleiß und beste Leistungen ließen das Geschäft und den Stand bei der Kundschaft bald so erheblich wachsen, dass Otto Böhm, als sich ihm zufällig die Gelegenheit bot, ein in der Marktstraße 20 gelegenes Grundstück zu erwerben, mit beiden Händen zugriff. 1895 heiratete er die Kaufmannstochter Minna Schröpfer, mit der er das 1903 erbaute Eckhaus Gartenstraße/Lutherstraße bewohnte. Dort betrieb die Familie die legendäre Böhmsche Weinschenke, in deren Räumen sich heute wieder ein Restaurant befindet. Das Grundstück in der Marktstraße 11 erwarb Otto Böhm 1906 von den Erben des Färbermeisters Julius Piesbergen. Das alte Gebäude ließ er alsbald abreißen und beauftragte den Gothaer Architekten Alfred Cramer mit der Planung eines Wohn- und Geschäftshauses. Nach einjähriger Bauzeit war der Bau 1908 vollendet. Sichtbar für jeden Vorübergehenden befindet sich an der etwas zurückgesetzten Sandsteinfassade zwischen den Fenstern des ersten Obergeschosses das Hochrelief der Dreimast-Kogge „Hansa“. Dieses Schiff wurde zu einem Wahrzeichen der Familie. In der Folgezeit gelangte das Geschäft zu voller Blüte. Besondere Spezialität des Hauses war das Angebot von fangfrischem Seefisch. In den 20iger Jahren allerdings stand das Geschäft fast vor dem Aus, weil in der Inflationszeit den Käufern das Geld fehlte. Nur durch das einsichtige Entgegenkommen seiner Lieferanten und durch die Hilfe von seitens der Böhmschen Familie wurde das Unternehmen Ende 1925 gerettet. Kurz darauf setzte sich der Firmengründer zur Ruhe und übergab die Geschicke der Firma in die Hände seiner Söhne. Nachdem 1928 der Firmengründer starb, führten die beiden Söhne Otto und Walter Böhm das Geschäft in der bewährten Weise wie ihr Vater weiter, so dass es wieder zum alten Ansehen gelangte. Das Unternehmen war zu einer Institution in Gotha geworden, woran die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 nichts änderte. Bestand hatte die Lebensmittelhandlung bis in die ersten Jahre der DDR. Das Familiengrab der Kaufmannsfamilie Böhm, das sich im mittleren Teil des Hauptfriedhofes befindet, wird von der Dreimast-Kogge geziert.

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